PV-Anlage von Schnee befreien – Wann es sinnvoll ist und wie du es sicher machst

PV-Anlage von Schnee befreien: Wann lohnt es sich, was ist gefährlich und welche Methoden funktionieren sicher? Inklusive Ertragsbeispielen & Profi-Tipps.

Im Winter fragen sich viele Hausbesitzer:

Sollte ich meine PV-Anlage von Schnee befreien, um wieder Strom zu erzeugen?


Die kurze Antwort:

👉 Meistens lohnt sich das Entfernen nicht – und ist oft gefährlicher als man denkt.

Aber es gibt Ausnahmen, in denen es sinnvoll sein kann.


In diesem Artikel erfährst du:


  • wann es sich lohnt, Schnee von der PV-Anlage zu entfernen
  • welche Methoden erlaubt sind
  • welche Techniken deine Anlage beschädigen
  • wie lange Schnee wirklich den Ertrag blockiert
  • ein paar reale Praxisbeispiele



<h2>1. Wie stark reduziert Schnee den PV-Ertrag?</h2>

Schnee blockiert die Sonneneinstrahlung fast vollständig.

Wenn die Module komplett zugeschneit sind:


👉 erzeugen sie 0–5 % ihrer normalen Leistung.


ABER:

In Deutschland sind die Ertragseinbußen durch Schnee viel geringer, als viele denken. Grund:


  • der Winter hat generell geringe Sonneneinstrahlung
  • die Sonne steht tief → wenig kWh
  • Schnee schmilzt oft nach wenigen Stunden oder Tagen
  • Module erwärmen sich und rutschen frei
  • dunkle Module absorbieren Sonnenwärme → schnelleres Auftauen



Realistisch verlieren die meisten Anlagen nur 1–5 % Jahresertrag durch Schnee.




<h2>2. Wann lohnt es sich, Schnee von der PV-Anlage zu entfernen?</h2>

Es lohnt nur in wenigen Fällen:

✔ bei extrem viel Eigenverbrauch im Winter



z. B.:


  • Wärmepumpe
  • Elektroheizung
  • ständiges Homeoffice
  • Gewerbe mit hohen Winterlasten




✔ bei sehr flachen Dächern (0–15°)



Schnee rutscht dort nicht ab.



✔ bei mehreren Tagen oder Wochen mit geschlossener Schneedecke



z. B. in höheren Lagen oder Alpenregionen.



✔ wenn ein Speicher im Winter geladen werden muss



z. B. für Notstromreserve.



✔ bei Anlagen, die mehrere cm Pulverschnee haben



Pulverschnee rutscht schneller weg, wenn man leicht unterstützt.


Was sich jedoch immer lohnt, ist ein gründlicher Check der PV-Anlage auf dem Dach.

 

<h2>3. Wann lohnt es sich NICHT?</h2>

In 90 % der Fälle:


❌ stark verschneites Süddach → taut von allein

❌ nur 1–3 Tage Schneelage

❌ Wintermonate mit wenig Sonne

❌ starker Frost → Schnee festgefroren

❌ Gefahr für dich oder deine Anlage


Das Entfernen bringt oft nur wenige Euro Ertrag – bei hohem Risiko.




<h2>4. Wie befreit man eine PV-Anlage sicher von Schnee?</h2>

Wichtig:

Niemals mit hartem Werkzeug arbeiten (Schaufel, Besen, Metallstange).

Das zerstört die Glasoberfläche → Totalschaden möglich.


Erlaubte Methoden:



 

Teleskop-Schneeschieber mit Gummilippe



Speziell für Solaranlagen erhältlich.

Schont das Glas.



 

Teleskopbürsten aus weichem Kunststoff



Für leichten Pulverschnee ideal.



 

Schneerechen für Solarmodule



Lange Stange, weiche Kante → sicher.



 

Heizkabel im Wasserablauf bei Flachdächern



Hilft bei Eisbildung.



 

Mit heißem Wasser gefüllte Wärmflasche



Von unten ans Modul halten → Schnee löst sich.

(Aber niemals Wasser auf Module kippen!)




<h2>5. Was du unbedingt vermeiden musst</h2>

❌ Auf das Dach steigen

→ höchste Unfallgefahr → jedes Jahr hunderte Unfälle

→ nicht versichert!


❌ Heißes Wasser über die Module gießen

→ Spannungsrisse im Glas

→ Brandgefahr


❌ Mit Besen oder Schaufeln kratzen

→ Mikrokratzer → Leistungsverlust


❌ Hochdruckreiniger

→ zerstört die Beschichtung

→ Wasserschäden möglich


❌ Salz oder Enteiserspray

→ greift Dichtungen & Rahmen an




<h2>6. Praxisbeispiel: Lohnt sich das Freiräumen wirklich?</h2>

Ein Beispiel für ein typisches Einfamilienhaus:


  • 10 kWp Solaranlage
  • verschneit für 5 Tage im Januar
  • Ertragsverlust pro Tag: ca. 1,5–3 kWh



Monetärer Verlust:

5 Tage × ca. 2 kWh × 0,40 €/kWh

👉 ≈ 4 € Verlust


Dafür auf das Dach steigen?

👉 Nein, völlig unverhältnismäßig.


Ein anderes Beispiel, bei Wärmepumpe und viel Winterverbrauch:


  • 20 kWh Verbrauch pro Tag
  • PV könnte trotz Winter 2–3 kWh liefern
  • Schnee verdeckt Anlage für 10 Tage



Verlust:

10 Tage × 2,5 kWh × 0,40 € = 10 €


Auch hier ist der Aufwand oft größer als der Nutzen.




<h2>7. Wie schnell verschwindet Schnee von selbst?</h2>

Meist schneller, als man denkt:


  • schwarze Module absorbieren Wärme
  • Alurahmen erwärmen sich
  • Schnee rutscht bei 20–40° Neigung rasch ab
  • schon 1–2 Stunden Sonnenschein reichen oft



Besonders effektiv:


✔ Süddächer

✔ Flachere Schneedecke

✔ Pulverschnee

✔ klare Tage nach Schneefall




<h2>8. Was ist mit Flachdächern?</h2>

Flachdächer (0–10°) sind am stärksten betroffen.


Lösung:


  • Ost/West-Aufständerung 10–15°
  • Module leicht kippen
  • Schneestopper entfernen
  • Hinterlüftung verbessern



Wichtig:

Flachdach-Schnee schmilzt langsamer, daher lohnt das Entfernen hier eher – aber nur mit sicheren Werkzeugen und vom Boden aus.




<h2>9. Lohnt sich eine Schneefreihaltung dauerhaft?</h2>

Es gibt Systeme wie:


  • elektrische Modulheizungen
  • hydraulische Enteisungsanlagen



Aber:

❌ teuer

❌ hoher Energieeinsatz

❌ selten wirtschaftlich sinnvoll


Diese Systeme werden eher in extremen Schneeregionen genutzt – nicht in Deutschland.




<h2>10. Fazit: PV-Anlage von Schnee befreien – nur in Ausnahmefällen sinnvoll</h2>

Die wichtigsten Punkte:


  • Schnee blockiert den Ertrag, aber die Winterverluste sind minimal
  • Oft lohnt das Entfernen wirtschaftlich nicht
  • Sicherheit geht immer vor
  • Pulverschnee kannst du vorsichtig entfernen
  • Festsitzender Schnee sollte man nicht gewaltsam lösen
  • Flachdächer sind besonders betroffen, aber auch dort gilt: vorsichtig!



Kurz gesagt:


👉 In 90 % der Fälle sollte man die PV-Anlage einfach von selbst abtauen lassen.

👉 Nur bei flachen Dächern oder extremen Schneelagen lohnt sich das Freiräumen.


 

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