Stromausfälle waren früher ein seltenes Thema – heute fragen sich immer mehr Hausbesitzer: Kann meine PV-Anlage im Notfall eigentlich Strom liefern? Die ernüchternde Antwort: Ohne spezielle Technik schaltet sich eine normale Photovoltaikanlage bei einem Netzausfall komplett ab – selbst wenn die Sonne scheint.
In diesem Artikel erfährst du, wie eine PV-Anlage mit Notstromfunktion funktioniert, welche Geräte im Ernstfall weiterlaufen können, welche Komponenten du dafür brauchst und mit welchen Kosten du rechnen musst. Damit du Angebote besser einschätzen und entscheiden kannst, ob sich Notstrom für dich lohnt.
1. Warum normale PV-Anlagen bei Stromausfall nichts bringen
Der Standard-Wechselrichter ist aus Sicherheitsgründen so gebaut, dass er sich bei einem Netzausfall sofort abschaltet. Er darf keinen Strom ins öffentliche Netz drücken, solange die Spannung dort nicht stabil ist – Stichwort „Anti-Inselbetrieb“. Dadurch sind Monteure und Techniker geschützt, die im Fehlerfall an Leitungen arbeiten.
Das bedeutet: Ohne Notstromtechnik liefert deine PV-Anlage bei einem Blackout keinen Strom – auch nicht für dich selbst.
2. Notstrom, Ersatzstrom, Inselbetrieb – was ist was?
Rund um das Thema Notstrom kursieren viele Begriffe. Wichtig ist, sie zu unterscheiden:
- Notstromfunktion / Ersatzstrom: Deine Anlage kann bei Netzausfall bestimmte Verbraucher oder sogar große Teile des Hauses weiter versorgen – meist über einen Batteriespeicher und einen speziellen Wechselrichter.
- Inselbetrieb: Die PV-Anlage arbeitet komplett unabhängig vom öffentlichen Netz, z. B. in Berghütten oder Gartenhäusern. Das ist technisch aufwendiger und im normalen Einfamilienhaus eher selten.
- Notstrom-Steckdose: Eine einzelne Steckdose am Wechselrichter, an die du bei Stromausfall Verlängerungskabel und ein paar Geräte anschließen kannst.
Für die meisten Einfamilienhäuser ist eine PV-Anlage mit Ersatzstromfunktion die beste Lösung: Im Alltag arbeitet sie ganz normal am Netz, bei Stromausfall übernimmt sie ausgewählte Stromkreise oder das ganze Haus.
3. Welche Geräte können im Notstrombetrieb weiterlaufen?
Wie viel bei einem Stromausfall weiterläuft, hängt von der Auslegung deiner Anlage ab. Grob gibt es drei Stufen:
Stufe 1: Notstrom-Steckdose
- 1–2 Schuko-Steckdosen direkt am Wechselrichter
- Leistung meist auf 2–3 kW begrenzt
- Geeignet für: Kühlschrank, Router, ein paar Lampen, Notebook, Handy-Ladegeräte
- Du musst Geräte manuell einstecken – keine Versorgung der Hausinstallation
Stufe 2: Versorgte Notstromkreise (teilweise Hausversorgung)
- Ein eigener Notstrom-Unterverteiler versorgt ausgewählte Stromkreise im Haus
- Typisch: Kühlgeräte, Licht, Heizungssteuerung, einzelne Steckdosen im Wohnbereich, Router
- Leistung je nach System oft 3–5 kW
- Komfortabel, da keine Verlängerungskabel nötig sind
Stufe 3: Nahezu vollständige Hausversorgung
- Hybridwechselrichter + kräftiger Speicher + automatische Netzumschaltung
- Leistung 5–10 kW oder mehr möglich
- Auch größere Verbraucher können weiterlaufen (z. B. Wärmepumpe, Waschmaschine – wenn ausreichend Leistung vorhanden ist)
- Funktioniert wie ein kleines Inselnetz, gespeist aus PV und Batterie
Ganz wichtig: Notstrom heißt nicht „Alles läuft wie immer“. Du musst trotzdem bewusst mit der Leistung haushalten – z. B. nicht gleichzeitig Backofen, Wärmepumpe und E-Auto laden, wenn die Batterie halb leer ist und wenig Sonne scheint.
4. Welche Technik braucht eine PV-Anlage mit Notstromfunktion?
Damit deine PV-Anlage bei Netzausfall weiter Strom liefern darf, sind zusätzliche Komponenten nötig:
-
Hybrid-Wechselrichter oder Ersatzstromfähiger Wechselrichter
Er kann PV-Generator, Batterie und Hausnetz gleichzeitig managen und ein eigenes „Inselnetz“ erzeugen, wenn das öffentliche Netz ausfällt. -
Batteriespeicher
Ohne Speicher ist die Notstromfunktion stark eingeschränkt. Nur mit Batterie kannst du auch nachts oder bei wenig Sonne Grundverbraucher versorgen. -
Umschalt- oder Ersatzstrombox
Diese trennt im Blackout dein Haus sicher vom öffentlichen Netz und schaltet auf den Notstrombetrieb um. Je nach System automatisch oder manuell. -
Angepasste Elektroverteilung
Bei teilweiser Hausversorgung braucht es meist einen separaten Notstrom-Verteiler mit ausgewählten Stromkreisen.
Viele moderne Systeme integrieren Teile davon bereits im Wechselrichter oder in einer kompakten Box – trotzdem bleibt der Installationsaufwand höher als bei einer Standard-PV ohne Notstromfunktion.
5. Wie groß sollten PV-Anlage und Speicher für Notstrom sein?
Die Größe deiner Anlage hängt von deinem normalen Stromverbrauch ab – aber für die Notstromfunktion gibt es ein paar zusätzliche Überlegungen:
- PV-Anlage: Für einen typischen Einfamilienhaushalt sind 8–12 kWp sinnvoll, besonders wenn Wärmepumpe oder E-Auto vorhanden sind.
- Speichergröße: Für eine sinnvolle Notstromfähigkeit im EFH werden häufig 8–12 kWh Speicherkapazität gewählt. Weniger geht, bedeutet aber, dass du Lasten im Notfall sehr genau steuern musst.
Faustregel für Notstrom:
- Grundbedarf (Kühlgeräte, Router, Licht, Heizungspumpe) liegt oft bei 200–400 W.
- Mit einem 10-kWh-Speicher könntest du diesen Grundbedarf rein aus der Batterie theoretisch 20–30 Stunden decken – in der Praxis länger, wenn tagsüber PV nachlädt.
Voller Haushaltsbetrieb (Backofen, Herd, Wärmepumpe, etc.) ist dagegen selbst mit großen Speichern nur begrenzt sinnvoll – im Notfall geht es eher darum, wichtige Geräte am Laufen zu halten.
6. Beispiel: Einfamilienhaus mit 10 kWp und 10 kWh Speicher
Beispiel-Szenario:
- PV-Anlage: 10 kWp
- Batteriespeicher: 10 kWh nutzbar
- Wechselrichterleistung: 5 kW
- Notstromkreise: Kühlgeräte, Heizung, Licht im Wohnbereich, ein Raum mit Steckdosen, Router
Bei einem Stromausfall:
- Tagsüber liefern PV + Speicher gemeinsam die Energie – je nach Wetter sind 1–5 kW möglich.
- Nachts übernimmt der Speicher allein. Wenn du den Verbrauch auf 300–400 W begrenzt, reicht der Speicher für viele Stunden.
- Leistungsspitzen (z. B. Wasserkocher) sind möglich, solange sie innerhalb der Wechselrichterleistung bleiben.
Damit überstehst du auch längere Stromausfälle komfortabler – ohne dass das ganze Haus „wie gewohnt“ läuft, aber mit deutlich mehr Sicherheit und Komfort als ohne Notstromfunktion.
7. Was kostet eine PV-Anlage mit Notstromfunktion?
Grob kannst du mit folgenden Mehrkosten gegenüber einer Standard-PV-Anlage rechnen (Stand 2025, starke Bandbreiten möglich):
- Hybrid-/Ersatzstrom-Wechselrichter: ca. 1.000–2.000 € Aufpreis gegenüber einem einfachen Wechselrichter
- Batteriespeicher (8–12 kWh): ca. 5.000–10.000 € zusätzlich
- Umschaltbox / Ersatzstrombox + Elektroinstallation: ca. 1.000–3.000 € je nach Umfang
In Summe kann eine vollwertige Notstromlösung schnell 7.000–15.000 € mehr kosten als eine PV-Anlage ohne Speicher. Deshalb ist es wichtig, sich klarzumachen, warum du Notstrom möchtest:
- reine Komfortfrage (Licht & Kühlschrank bei seltenen Ausfällen)
- oder echte Versorgungssicherheit in Regionen mit instabilem Netz?
8. Für wen lohnt sich eine PV-Anlage mit Notstromfunktion?
Besonders sinnvoll ist eine Notstromlösung, wenn:
- du beruflich auf Strom angewiesen bist (Homeoffice, Server, kritische Technik),
- eine Wärmepumpe deine alleinige Heizung ist und du im Winter nicht komplett ohne Strom dastehen willst,
- du medizinische Geräte im Haushalt betreibst, die nicht ausfallen dürfen,
- du in einer Region mit häufigeren Stromausfällen wohnst,
- oder du generell großen Wert auf Autarkie und Krisenvorsorge legst.
Weniger sinnvoll ist eine teure Notstromlösung, wenn:
- du in einer Gegend mit sehr stabiler Stromversorgung lebst,
- der Aufpreis dein Budget sprengt und du dadurch die PV-Anlage deutlich kleiner bauen müsstest,
- oder du vor allem die wirtschaftliche Rendite im Blick hast.
9. Fazit: Notstromfunktion – sinnvolle Ergänzung oder Luxus?
Eine PV-Anlage mit Notstromfunktion kann dir bei Stromausfällen einen großen Komfort- und Sicherheitsgewinn bringen. Damit das funktioniert, brauchst du allerdings:
- einen ersatzstromfähigen oder Hybrid-Wechselrichter,
- einen passenden Batteriespeicher,
- eine sichere Umschaltlösung und eine durchdachte Elektroverteilung.
Ob sich die Investition lohnt, hängt stark von deiner Situation ab. Wenn dir Versorgungssicherheit, Autarkie und Krisenvorsorge wichtig sind, kann eine Notstromfunktion genau der richtige Baustein sein – vor allem in Kombination mit einer ausreichend großen PV-Anlage.
Wichtig ist, dass du bei Angeboten genau hinschaust: Notstrom-Steckdose ist etwas anderes als echter Ersatzstrom für das Haus. Je klarer du deine Erwartungen formulierst, desto genauer kann der Fachbetrieb eine passende Lösung für dich planen.