Die wohl häufigste Frage bei der Planung einer Photovoltaikanlage lautet: Wie groß sollte meine PV-Anlage sein? Also: Wie viele Kilowattpeak (kWp) sind sinnvoll – und wie viele Module brauchst du dafür tatsächlich?
In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du die optimale PV Anlage Größe berechnen kannst – anhand deines Stromverbrauchs, deines Daches und deiner Ziele (Autarkie, E-Auto, Wärmepumpe usw.). Mit einfachen Faustformeln, Beispielen und einer Übersichtstabelle, damit du Angebote besser vergleichen kannst.
1. Grundlagen: Was bedeutet kWp und warum ist die richtige Anlagengröße so wichtig?
Die Leistung einer PV-Anlage wird in kWp (Kilowattpeak) angegeben. Das ist die Maximalleistung unter Standardbedingungen. Für dich entscheidend ist aber der Jahresertrag in kWh – also wie viel Strom die Anlage über ein Jahr tatsächlich produziert.
Die richtige Dimensionierung entscheidet über:
- Wirtschaftlichkeit – zu klein: du verschenkst Potenzial; zu groß: unnötig hohe Investition.
- Autarkiegrad – wie viel deines Strombedarfs du selbst decken kannst.
- Zukunftssicherheit – ob später genug Reserven für Wärmepumpe oder E-Auto da sind.
- Netzverträglichkeit & Anmeldung – je nach Größe gelten unterschiedliche Regelungen.
Die gute Nachricht: Mit ein paar Kennzahlen lässt sich die optimale Größe deiner PV-Anlage grob selbst berechnen – und du erkennst schneller, ob Angebote realistisch sind.
2. Schritt 1 – Jahresstromverbrauch ermitteln
Die wichtigste Basiszahl ist dein jährlicher Stromverbrauch in kWh. Du findest ihn auf der letzten Stromabrechnung oder im Kundenportal deines Versorgers.
Richtwerte für typische Haushalte:
- 1–2 Personen: ca. 1.800–2.500 kWh/Jahr
- 3–4 Personen: ca. 3.000–4.500 kWh/Jahr
- 5 Personen und mehr: 4.500–6.500+ kWh/Jahr
Planst du zusätzlich eine Wärmepumpe, Wallbox oder größere E-Geräte, solltest du diesen Mehrverbrauch direkt mit einrechnen:
- Wärmepumpe Einfamilienhaus: ca. 2.500–4.000 kWh/Jahr
- E-Auto (ca. 15.000 km/Jahr): ca. 2.500–3.000 kWh/Jahr
So erhältst du deinen künftigen Zielverbrauch, nicht nur den aktuellen.
3. Schritt 2 – Aus Verbrauch grob die kWp-Leistung ableiten
Ein guter Startpunkt ist folgende Faustformel für Deutschland:
1 kWp PV-Leistung erzeugt im Jahr ungefähr 900–1.050 kWh Strom – je nach Standort, Ausrichtung und Verschattung.
Damit kannst du grob rechnen:
Benötigte kWp ≈ Jahresverbrauch (kWh) ÷ 1.000
Ein paar Beispiele:
| Haushalt / Situation | Jahresverbrauch (inkl. Zukunft) | Empfohlene PV-Leistung | Typische Modulanzahl* |
|---|---|---|---|
| 3-Personen-Haushalt ohne E-Auto | 3.500 kWh | ca. 4 kWp | ca. 10 Module (à 400 W) |
| 4-Personen-Haushalt mit E-Auto | 6.000 kWh | ca. 6–7 kWp | ca. 16–18 Module |
| Einfamilienhaus mit Wärmepumpe | 7.500 kWh | ca. 8 kWp | ca. 20 Module |
| Einfamilienhaus mit E-Auto + Wärmepumpe | 9.500–10.000 kWh | ca. 10–11 kWp | ca. 24–26 Module |
*bei modernen Modulen mit ca. 400–430 Wp
Wichtig: Diese Werte sind Richtwerte. Je nach Dachausrichtung, Dachfläche und Budget kann es sinnvoll sein, etwas kleiner oder größer zu planen.
4. Schritt 3 – Dachfläche und Modulanzahl prüfen
Die beste kWp-Rechnung nützt nichts, wenn die Anlage physisch nicht aufs Dach passt. Deshalb im nächsten Schritt die Dachfläche prüfen.
Faustformel für moderne Module (ca. 1,8–2,1 m² pro Modul, 400–430 W):
- 1 kWp benötigt etwa 5–6 m² Dachfläche.
- 10 kWp benötigen rund 50–60 m².
Gehe so vor:
- Brutto-Dachfläche messen (Länge × Breite je Dachseite).
- Abzüge berücksichtigen: Gauben, Kamine, Dachfenster, Sicherheitsabstände.
- Reale belegbare Fläche abschätzen.
Passt die gewünschte kWp-Leistung nicht komplett aufs Dach, kannst du:
- eine zweite Dachseite (z. B. Ost/West) mitnutzen,
- Garage oder Carport ergänzen,
- oder leicht reduzieren (z. B. statt 11 kWp nur 9–10 kWp).
5. Wie viele Module brauche ich konkret?
Die Modulanzahl ergibt sich aus der gewählten Leistung pro Modul. Aktuell sind 400–440 W pro Modul verbreitet, hochwertigere Module kommen teils auf 450 W und mehr.
Formel:
Anzahl Module = geplante kWp × 1.000 ÷ Modulleistung (W)
Beispiele mit 430-W-Modulen:
- 5 kWp → 5.000 ÷ 430 ≈ 12 Module
- 8 kWp → 8.000 ÷ 430 ≈ 19 Module
- 10 kWp → 10.000 ÷ 430 ≈ 23 Module
Wählst du etwas kleinere Module (z. B. 400 W), brauchst du entsprechend ein bis zwei Module mehr.
6. Mit oder ohne Speicher – ändert das die Anlagengröße?
Viele fragen sich: Muss ich die PV Anlage Größe anders berechnen, wenn ich einen Batteriespeicher nutze?
Grundsätzlich gilt:
- Der Speicher ersetzt keine PV-Leistung, sondern verschiebt Strom in die Abend- und Nachtstunden.
- Er kann aber die Eigenverbrauchsquote deutlich erhöhen (z. B. von 30 % auf 60–80 %).
Praxis-Tipp:
- Bei kleineren Anlagen (< 5 kWp) ist ein großer Speicher meist wirtschaftlich schwierig.
- Ab etwa 7–10 kWp kann ein Speicher zwischen 5 und 10 kWh sinnvoll sein – besonders mit Wärmepumpe oder E-Auto.
- Die PV-Leistung sollte immer zur Verbrauchsstruktur passen. Speicher dimensioniert man eher danach, wie viel Überschuss tagsüber entsteht.
Du musst die PV Anlage daher nicht „für den Speicher“ größer rechnen – aber eine etwas größere Anlage (z. B. eher 9 statt 7 kWp) harmoniert mit Speicher, Wärmepumpe & E-Auto oft besser.
7. Wie groß "darf" eine PV-Anlage maximal sein?
Rein technisch kannst du die Dachfläche meist voll ausnutzen. In Deutschland gibt es aber ein paar Punkte, die du im Hinterkopf behalten solltest:
- Ab bestimmten Größen greifen Netzbetreiber-Vorgaben (z. B. 70-%-Regel, Einspeisemanagement).
- Bis 30 kWp gelten teilweise vereinfachte steuerliche Regelungen (Stand je nach Rechtslage prüfen).
- Wirtschaftlich lohnt es sich selten, weit über den eigenen Bedarf hinaus zu dimensionieren – außer bei sehr guten Einspeisebedingungen.
Für typische Einfamilienhäuser liegt eine sinnvolle Obergrenze oft zwischen 8 und 15 kWp, je nach Verbrauch und Dachfläche.
8. Typische Fehler bei der Berechnung der PV Anlage Größe
Wenn du Angebote prüfst oder selbst planst, achte auf diese häufigen Fehler:
- Anlage zu klein dimensioniert („nur“ 5 kWp, obwohl 9 kWp möglich wären).
- Zukunftsverbrauch nicht berücksichtigt (E-Auto, Wärmepumpe, Homeoffice).
- Dachflächenpotenzial unterschätzt – z. B. nur Südseite genutzt, Ost/West ignoriert.
- Modulleistung nicht beachtet → Verwechslung von kWp und Modulanzahl.
- Speicher als Ersatz für PV-Leistung missverstanden.
Je besser du deine Ziele kennst, desto klarer kannst du Installateuren sagen, was du möchtest – und desto leichter erkennst du, ob eine Anlage „zu knapp“ ausgelegt ist.
9. Zusammenfassung – So berechnest du die richtige PV Anlage Größe
Die Größe deiner PV-Anlage hängt vor allem von drei Faktoren ab: deinem Stromverbrauch, der Dachfläche und deinen Plänen für die Zukunft.
Noch einmal in Kurzform:
- Jahresverbrauch ermitteln – aktueller Verbrauch + geplanter Mehrverbrauch (Wärmepumpe, E-Auto, etc.).
- kWp-Leistung grob berechnen – Verbrauch (kWh) ÷ 1.000 ≈ sinnvolle kWp.
- Dachfläche checken – ca. 5–6 m² pro kWp einplanen.
- Modulanzahl bestimmen – kWp × 1.000 ÷ Modulleistung (W).
- Speicher optional einplanen – insbesondere bei Wärmepumpe & E-Auto.
Mit diesen Schritten hast du eine solide Grundlage, um Angebote für deine PV-Anlage besser vergleichen zu können – und erkennst, ob eine vorgeschlagene Anlagengröße wirklich zu deinem Haushalt passt.