Die Dachneigung ist einer der zentralen Faktoren, wenn es um die Planung einer Photovoltaikanlage geht. Viele Hausbesitzer denken dabei automatisch: „Mein Dach ist nicht perfekt – lohnt sich eine PV-Anlage dann überhaupt?“
Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen lautet die Antwort ganz klar ja. Moderne Module sind so leistungsfähig, dass selbst Dächer mit ungewöhnlichen Winkeln sehr gute Ergebnisse liefern.
Damit du ein realistisches Bild bekommst, schauen wir uns Schritt für Schritt an:
- welche Dachneigung optimal ist
- wie stark die Ertragsunterschiede wirklich sind
- welche Dachtypen besonders gut geeignet sind
- und wie du selbst bei einem „suboptimalen“ Dach viel Strom erzeugen kannst
Warum die Dachneigung überhaupt wichtig ist
Die Neigung deines Daches entscheidet darüber, wie intensiv die Sonne im Tages- und Jahresverlauf auf die Module trifft. Je senkrechter die Sonneneinstrahlung, desto höher der Ertrag.
Wichtige Einflussfaktoren sind:
- Winkel zur Sonne (Winter vs. Sommer)
- Verschmutzung (steile Dächer reinigen sich besser)
- Schneelasten (steile Dächer sind im Winter im Vorteil)
- Eigenverschattung (z. ▪ B. durch Gauben)
Doch bevor man denkt: „Ich brauche unbedingt die perfekte Neigung“, hier ein entscheidender Satz:
Zwischen 10° und 50° liegen im Jahresertrag oft nur wenige Prozent Unterschied.
Das überrascht viele — ist aber durch reale Messwerte bestätigt.
Die optimale Dachneigung für PV in Deutschland
Die optimale Dachneigung hängt vor allem davon ab, wie die Sonne übers Jahr steht. In Deutschland liegt der Idealbereich zwischen:
⭐
30–35° – absolut optimal für einen maximalen Jahresertrag
Warum?
- In diesem Bereich trifft die Sonne übers Jahr am gleichmäßigsten auf die Module.
- Besonders im Winter ist diese Neigung im Vorteil, weil die Sonne dann flacher steht.
- Regen spült Schmutz zuverlässig ab.
Das heißt aber ausdrücklich nicht, dass andere Neigungen schlecht sind.
Eine PV-Anlage mit 15° oder 45° kann wirtschaftlich genauso attraktiv sein – manchmal sogar besser, wenn der Eigenverbrauch höher ist.
Ertragsvergleich nach Dachneigung (realistische Werte)
Um ein Gefühl für Unterschiede zu bekommen, hilft eine vereinfachte Tabelle (Südausrichtung):
|
Dachneigung |
Jahresertrag (≈) |
Einordnung |
|
0–10° |
85–95 % |
gut (Flachdach, Ost/West-Systeme) |
|
15–25° |
95–98 % |
sehr gut |
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30–35° |
100 % |
optimal |
|
40–50° |
95–98 % |
gut |
|
55–70° |
80–90 % |
möglich, mit moderaten Verlusten |
Das Entscheidende:
👉 Selbst bei 60° Dachneigung bekommst du noch 80–90 % des optimalen Ertrags.
👉 Die Unterschiede sind viel kleiner, als viele vermuten.
Praxisbeispiel: Wie viel Unterschied macht die Dachneigung wirklich?
Ein typisches Einfamilienhaus:
- 5.000 kWh Jahresverbrauch
- 8 kWp Anlage
- Süddach
Jahreserträge nach Neigung:
|
Winkel |
Jahresertrag |
Differenz |
Geld pro Jahr |
|
30° |
ca. 8.400 kWh |
0 |
0 € |
|
15° |
ca. 8.050 kWh |
–350 kWh |
–70 € |
|
45° |
ca. 8.100 kWh |
–300 kWh |
–60 € |
|
60° |
ca. 7.500 kWh |
–900 kWh |
–180 € |
👉 Selbst bei einem deutlich steileren Dach sind das nur ca. 100–180 € Unterschied im Jahr.
Bei 25 Jahren Laufzeit bleibt die Anlage trotzdem hochprofitabel.
Warum steile Dächer oft unterschätzt werden
Viele ältere Häuser haben Dachneigungen zwischen 40° und 55°.
Diese Dächer haben sogar zwei Vorteile:
- Sehr guter Winterertrag (weil die Sonne sehr tief steht)
- Starke Selbstreinigung (weniger Schmutz, weniger Leistungsverlust)
Die Summertrag ist etwas geringer, aber real oft weniger kritisch als gedacht.
PV auf der Nordseite – geht das?
Kurz gesagt: Ja – aber nicht ideal.
Norddächer bringen:
- 10–30 % weniger Ertrag
- jedoch deutlich bessere Werte mit heutigen Hochleistungsmodulen
- bifaziale Module holen sogar reflektiertes Licht von der Rückseite
Wenn Süd, Ost oder West belegt ist oder statisch ungeeignet, ist Nordseite eine echte Option.
PV auf Ost/West – oft die wirtschaftlichste Lösung
Immer mehr Installateure bauen bewusst Ost/West-Anlagen, z. B.:
- auf flachen Dächern
- auf Carports
- auf Garagen
- bei breiten Hausdächern
Vorteil:
- Der Ertrag verteilt sich von morgens bis abends.
- → Das erhöht die Eigenverbrauchsquote enorm.
- → Dadurch steigt die Wirtschaftlichkeit, selbst bei etwas geringerer Jahresleistung.
Viele Ost/West-Anlagen sind wirtschaftlich sogar besser als ideale Süddächer ohne Speicher.
Was tun bei „ungünstiger“ Dachneigung?
Es gibt mehrere Lösungen:
✔ 1. Aufständerung (v. a. auf Flachdächern)
Damit stellst du die Module einfach auf den optimalen Winkel (z. B. 10–15°).
✔ 2. Mehr Leistung installieren (kWp-Überdimensionierung)
Verlust von 10 %?
→ einfach 10 % mehr kWp installieren.
Modulpreise sind inzwischen extrem niedrig.
✔ 3. Hochleistungsmodule verwenden
Glas-Glas, bifazial, Half-Cut – perfekt für flache oder ungünstige Dächer.
✔ 4. Ost/West statt Süd
Höherer Eigenverbrauch = bessere Rendite.
Flachdach – der eigentlich perfekte Fall
Flachdächer gelten als besonders gut geeignet:
- freie Ausrichtung wählbar
- kein festgelegter Winkel
- einfache Montage (Ballastsystem)
- kaum Risiko durch Verschattung
- Ost/West sehr einfach möglich
Typische Winkel:
- Süd → 15–20°
- Ost/West → 10°
Damit erzielst du sehr stabile Erträge.
Empfehlung je nach Dachneigung (Kurzüberblick)
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Dachneigung |
Empfehlung |
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0–10° |
Aufständerung empfehlenswert |
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10–25° |
Ideal, kaum Verlust |
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25–40° |
Optimal für Süddächer |
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40–55° |
Gut, besonders im Winter |
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55–70° |
Mehr kWp + Hochleistungsmodule |
Fazit: Die Dachneigung ist wichtig – aber selten ein Problem
Viele Menschen denken, dass ihre Dachneigung die Installation unmöglich macht. In Wirklichkeit sind moderne Anlagen extrem flexibel. Auch Dächer, die auf den ersten Blick nicht ideal wirken, liefern zuverlässig umweltfreundliche und kostengünstige Solarenergie .
Die Wahrheit ist:
→ Selbst „nicht perfekte“ Dächer erzeugen oft über 90 % des optimalen Ertrags.
→ Wirtschaftlich lohnen sie sich fast immer.
→ Technik & Module gleichen heute sehr viel aus.
Wenn du also dachtest, dein Dach sei nicht geeignet:
Sehr wahrscheinlich ist es das doch.